Rumänisch-Orthodoxes Erzbistum von Deutschland, Österreich und Luxemburg

 

Rumänisch-Orthodoxes Kirchenzentrum München

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Orthodoxer Erzbischof Teodosie aus Rumänien besuchte Bayern

Kooperation im Sozialbereich angestrebt

Gespräche mit Landesbischof Friedrich
und Diakonie-Rektor Schoenauer

Von Jürgen Henkel (Text und Fotos)

MÜNCHEN/NEUENDETTELSAUSeit dem 1. Januar 2007 gehört mit Rumänien ein mehrheitlich orthodoxes Land Südost-europas zur EU. Rund 87 Prozent der Bevölkerung zählen sich zur Rumänischen Orthodoxen Kirche, die mit ihren rund 20 Millionen Gläubigen nach der russischen die zweitgrößte orthodoxe Kirche der Welt ist. Mit Erzbischof Teodosie von Tomis (Konstanza) stattete jüngst einer der wichtigsten orthodoxen Bischöfe Rumäniens Bayern einen offiziellen Besuch ab. Dabei standen die Ökumene und das soziale Engagement der Kirche im Mittelpunkt. Die Visite fand auf Einladung der Diakonie Neuendettelsau statt.

Erzbischof Teodosie ist einer der ranghöchsten Würdenträger der Rumänischen Orthodoxen Kirche. Sein Erzbistum umfasst mit der Dobrudscha am Schwarzen Meer eine der ältesten Kulturregionen Rumäniens, wo sich archäologische Zeugnisse des frühen Christentums finden. Es ist schon im 4. Jahrhundert belegt und nach der antiken Stadt Tomis – heute Konstanza – benannt. Begleitet wurde er von Erzdiakon Stefan Severin vom Sozialdepartment des Erzbistums und dem bayerischen Theologen Dr. Jürgen Henkel, der seit 2003 als von der Landeskirche nach Rumänien entsandter Pfarrer die Evangelische Akademie Siebenbürgen (EAS) leitet. Diese Einrichtung der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien fördert den ökumenischen Austausch zwischen evangelischer Kirche und Orthodoxie und hat auch diese Reise organisiert.

Der bayerische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich empfing Erzbischof Teodosie im Landeskirchenamt in München. Dabei waren auch Metropolit Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa aus Nürnberg, Weihbischof Sofian von München und Kirchenrat Ulrich Zenker vom Ökumenereferat zugegen. Themen waren unter anderem die Ökumenische Versammlung 2007 in Rumänien, das Verhältnis von Kirche und Staat innerhalb der EU, der fehlende Gottesbezug in der EU-Verfassung und der Einsatz der Kirchen für christliche Werte in Europa.

Die Rumänische Orthodoxe Kirche hat den EU-Beitritt des Landes befürwortet. Sie ist die einzige Ostkirche mit lateinischer Sprache und die ökumenisch offenste. Die Kirche ist seit 1959 Mitglied in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), seit 1961 im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Seit 1979 führt sie einen erfolgreichen bilateralen Dialog mit der EKD. 1999 fand der erste Papstbesuch in einem orthodoxen Land in Rumänien statt. Seit 1994 unterhält die Kirche für ihre Gläubigen in der Diaspora Mittel- und Nordeuropas eine Metropolie mit Sitz in Nürnberg.

Landesbischof Friedrich, Erzbischof Teodosie und Metropolit Serafim betonten die Rolle des Christentums und der Kirchen für die Identität Europas. Europa dürfe nicht nur als Wirtschaftsraum und Freihandelszone verstanden werden, sondern zuerst als eine Wertegemeinschaft auf der Basis des christlichen Glaubens. Das Fehlen eines Gottesbezugs im EU-Verfassungsentwurf wurde einhellig kritisiert und eine Korrektur gefordert. Auf besonderes Interesse des rumänischen Gastes stießen angesichts aktueller Diskussionen in Rumänien die rechtliche Stellung der Kirchen in Deutschland und die Rechtslage hinsichtlich der Kreuze in den Schulen und öffentlichen Einrichtungen.

Den Schwerpunkt des Besuches bildeten die Begegnungen in Neuendettelsau. Im Rahmen eines ökumenischen Friedensgottesdienstes mit dem Rektor der Diakonie, Hermann Schoenauer, predigte der Erzbischof in der Laurentius-Kirche. Dabei bezeichnete er den sozialen Dienst der Kirche „als Ausdruck der Liebe gegenüber den Nächsten und Gott“. Die Diakonie Neuendettelsau würdigte er für ihre „hervorragende Organisation“ und ihre umfangreichen Aktivitäten, gerade auch in Rumänien. Rektor Schoenauer betonte bei einem Empfang, dass die Diakonie Neuendettelsau zu einem Zeitpunkt umfangreich in Ost- und Südosteuropa tätig geworden sei, als dies noch auf Unverständnis gestoßen sei.

Einen ganzen Tag lang besuchten die Gäste aus Rumänien verschiedene Einrichtungen der Diakonie. Dazu zählten die Fachschule für Heil-erziehungspflege, die Internationale Akademie DiaLog, die Werkstätten für Menschen mit Behinderung und die Clinic Neuendettelsau. Auch die Paramentenwerkstatt und die Hostienbäckerei gehörten zum Programm. Der Erzbischof nahm an einer Unterrichtsstunde in der Fachschule teil und besuchte das Diakonieseminar. Mit Verantwortlichen wie der Leiterin der Fachschule, Doris Sitzmann-Korn, dem Akademieleiter Pfarrer Matthias Hartmann, und dem Leiter des Pflegedienstes der Klinik, Robert Fersterra, standen kompetente Gesprächspartner zur Verfügung.

Rektor Schoenauer und Erzbischof Teodosie vereinbarten einen Gegenbesuch noch im Frühjahr. Dabei wollen sie eine konkrete Koope-ration vereinbaren. Erzbischof Teodosie will an der Theologischen Fakultät in Konstanza, wo er Dekan ist, einen Studiengang für Sozialmanagement einrichten und ist auch an der Gründung einer Fachschule für Heilerziehungspflege in seinem Erzbistum interessiert.

Einen Einblick in die evangelische Glaubenswelt und Spiritualität der Region erhielten die orthodoxen Gäste durch einen Besuch im Museum „Kirche in Franken“ in Bad Windsheim, an dem auch Metropolit Serafim teilnahm. Museumsdirektor Prof. Dr. Konrad Bedal vom Fränkischen Freilandmuseum und Museumsleiterin Andrea Thurnwald präsentierten im Beisein von Dekanin Gisela Bornowski und dem katholischen Dekan Georg Birkel das neue Museum und seine Konzeption sowie den Alten Bauhof in Bad Windsheim, der zum Freilandmuseum gehört. In Nürnberg schließlich besuchte der Erzbischof das deutsche Auslandsbistum seiner Kirche und feierte mit hunderten von Gläubigen auch eine Göttliche Liturgie, den festlichen Gottesdienst der Ostkirche.